Rot-ichweiß-Rot

Sebastian, kurz Kanzler

Jetzt ist es wieder passiert – und diesmal liegt es nicht am Koalitionspartner. Obwohl der selbstverständlich schuld dran ist, dass der Basti zurücktreten musste, dabei hat er doch gar nichts Falsches gemacht. Aber die Sozis von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wollten ihn unbedingt in die Pfanne hauen bzw. aus dem Bundeskanzleramt entfernen. Und da gab es wohl doch auch ein paar Landeshauptleute, die sich nicht mehr sicher waren, ob da nicht doch etwas dran ist an der Vorwürfen der Justiz und ob da nicht vielleicht auch bei denen was kleben bleibt, die ihren strahlenden Führer grade noch mit 100% als Vorsitzenden bestätigt haben, einem Wahlergebnis, das man sonst nur mehr von Nordkorea kennt, wo Oppositionelle einfach ausgeschaltet werden.

© Die Tagespresse

Es ist schon ungewöhnlich, dass jemand mit 35 schon zum zweiten Mal ALTKANZLER ist, getoppt nur von der Tatsache, dass langsam doch ans Licht kommt, dass da einer, der ständig vom „Anpatzen“ sprach, das die anderen praktizieren würden und der seinen Politikstil als das neue geile Ding verkauft hat, das sich grundlegend von der Selbstbedienungsmentalität der über Jahrzehnte regierenden Großen Koalition unterscheiden würde, als der Worthülsenproduzent entlarvt wird, für den ihn viele schon immer gehalten haben. Jetzt müssen auch seine Jünger, die ihm huldigten und alles glaubten, erkennen, dass er doch nicht der Heilsbringer war, sondern nur einer, der seine Message besonders gut und kontrolliert verkaufen konnte.

Und manch ein gutgläubiger Wähler oder eine vom jugendlichen Charme begeisterte Wählerin reibt sich die Augen angesichts der massiven Vorwürfe, die gegen den Ex-Kanzler und nunmehrigen Fraktionschef sowie immer noch Vorsitzenden der „Neuen Volkspartei“ erhoben werden und die eigentlich schon die ganze Zeit bekannt waren – zumindest denen, die in den Aufstieg des strahlenden Helden involviert waren bzw. diesen aufmerksam verfolgt haben.

Ein großer Stein der Erleichterung ist mir vom Herzen gefallen, dass der Kogler Werner, mein alter Freund und einstmaliger Nachmieter in Graz, endlich einen Grund gefunden hat, den Basti in die Schranken zu weisen. Allzu oft und viel zu lange hat er alles mitgemacht und wegen der Staatsraison und um die eigenen Projekte im Regierungsprogramm nicht zu gefährden immer wieder beteuert, dass er zwar anderer Meinung sei, die Grünen-Abgeordneten aber nicht gegen den Koalitionspartner stimmen würden.

Dass mit Graf Alex jetzt alles anders wird, glaubt sowieso keiner, aber für die Grünen wird es bestimmt leichter, ihren Anteil an der Regierungsarbeit hervorzuheben und einiger ihrer Ziele auch tatsächlich umzusetzen – das hoffe ich zumindest. Und die Alternative – mit einer zerstrittenen SPÖ und unter Duldung der Kickl-FPÖ ein Minderheitskabinett zu erreichen – hätte nur eines bedeutet, nämlich ab sofort in den permanenten Dauerwahlkampf einzutreten. Ob unter solchen Umständen das Land nach vorne gebracht wird, ist zu bezweifeln.

Ich grüße also meinen alten Freund, muss allerdings auch anmerken, dass die offensichtlich NLP-geschulte Sigi Maurer immer mehr zur Sobotka-Doppelgängerin der Grünen wird. Andererseits könnte man auch sagen: Das ist die hohe Kunst der politischen Schulung, wenn frau es schafft, die fünf Mal gestellte gleiche Frage einfach abzubügeln und nur das eigene Narrativ zu verkünden. Jörgi, schau oba!